Gemeinde Bessenbach

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Kirchberg Oberbessenbach

Der Oberbessenbacher Kirchberg

Kirchberg Oberbessenbach
Kirchberg Oberbessenbach

Der Stolz Oberbessenbachs ist sein Kirchberg. Die mächtige Pfarrkirche St. Stephanus thront auf dem Hügel, und ihr großer Barockturm schaut in jeden Talwinkel. Direkt daneben die Ottilienkirche, eine der wenigen Bauten im Spessart, die ihr mittelalterliches Aussehen bis heute bewahrt hat. Dieses Zweigespann auf dem Oberbessenbacher Kirchberg ist als Ensemble einzigartig in der Kulturlandschaft Spessart. Dahinter ziehen die Felder den Berghang hinauf, die Waldkrone begrenzt den Horizont: Ein wunderschöner Anblick!

Ottilienkirche

St. Ottilia
St. Ottilia

Im Schatten der großen Kirche behauptet sich die kleine Ottilienkirche, uralte Pfarr- und Mutterkirche der Umgebung und zugleich Wallfahrtskirche zur heiligen Ottilia. Der Ursprung der Pfarrei war wohl eine kleine Jägersiedlung, die vom Stift Aschaffenburg gegründet wurde. Eine Quelle am Fuß des Kirchberges und ein Wehrkirchlein am Bergsporn darüber könnten um das Jahr 1000 der Mittelpunkt der Waldsiedlung gewesen sein.

Aus dem Jahr 1184 stammt der früheste Nachweis für die Pfarrei Oberbessenbach, deren Pfarrsprengel damals von Haibach bis Hessenthal reichte. Deshalb wurden die romanische Kirche und der Bergfriedhof, der für Jahrhunderte die Toten des weiten Gebietes aufnahm, verhältnismäßig groß angelegt. Das Stift St. Peter und Alexander in Aschaffenburg hatte das Patronat über die Ottilienkirche inne.

Im späten Mittelalter war der zur Kirche gehörige Ottilienbrunnen Wallfahrtsort für Pilger aus der Umgebung, insbesondere bei Augenleiden. Dies ergibt sich aus der Heiligenlegende der Ottilie, die durch die heilige Schrift sehend wurde. Deshalb ist sie mit einem Buch in der Hand abgebildet, auf dem sich zwei Augen befinden. Die hl. Ottilia wurde und wird vor allem im Elsaß verehrt. Wahrscheinlich waren es die Beziehungen des Stiftes Aschaffenburg zu Klöstern nach Elsaß, die die Ottilienverehrung nach Oberbessenbach brachten.

Um 1450 wurde wohl der Turm der Kirche umgebaut (Steinturm) bzw. erhöht. Eine Inschrift am Turm lautet auf die Jahreszahl 1454. Der Grund für diese Umbaumaßnahmen - wohl etwa gleichzeitig erhielt die Kirche auch einen gotischen Chor - war die zunehmende Wallfahrtstätigkeit in Oberbessenbach. In etwa entsprach der Bau damit dem heutigen Anblick, außer der Turmhaube, die zunächst wohl über einen spitzen Helm verfügte, der nach einem Unwetter 1808 durch die heute sichtbare Dachkuppel ersetzt wurde.

Bis etwa 1650 hat die Kirche keine größeren Veränderungen erfahren, was zum einen mit dem Dreißigjährigen Krieg und zum anderen mit der nachlassenden Wallfahrtstätigkeit zusammenhing. Die Armut der Menschen verhinderte in der bauwütigen Barockzeit den Abbruch der Kirche und ließ nur eine bescheidene Ausmalung zu. So entstand 1732 der einzige in der Barockzeit an die Wand gemalte Hochaltar Bayerns. Eine letzte Welle der damaligen goldenen Zeit schlug auch in das stille Spessartdorf und ermöglichte eine kostbare Innenausstattung: einen zierlichen Rokoko-Hochaltar, wohl eigens für die Kirche geschaffen, zwei Barock-Seitenaltäre aus der abgebrochenen Franziskanerkirche in Saalmünster und eine Kanzel, die dem nordfranzösischen Barock zuzuordnen ist.

Nach Fertigstellung der neuen Stephanuskirche verlor die alte Ottilienkirche ihre Funktion. Man ließ sie verfallen und nutzte sie zeitweise als Notleichenhaus. Die Inneneinrichtung verschwand nach und nach. Der Altar des 18. Jahrhunderts kam 1928 in den Neubau der Filialkirche nach Dörrmorsbach, die beiden gotischen Glasfenster nach Würzburg, wo sie seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen gelten. 1931 stand die Kirche schließlich vor dem Abriss, der allerdings nicht durchgeführt wurde. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt auch der Kirchenberg neuen Glanz. Man erkannte die kunsthistorische Bedeutung der Ottilienkirche und setzte nach mehreren Anstössen deren Renovierung ab 1973 durch. Am 13. Dezember 1975 wurde sie der hl. Ottilia neu geweiht.

St. Ottilia
St. Ottilia
Kirchberg
Kirchberg

St. Stephanuskirche

St. Stephanus
St. Stephanus

Die Bevölkerung wuchs und das Pfarrkirchlein wurde allmählich zu klein. Die Abtrennung von Haibach und Grünmorsbach im Jahre 1822 brachte nur eine vorübergehende Entlastung. Über 70 Jahre zogen sich dann die Bemühungen zum Bau einer neuen, großen Pfarrkirche hin. Die Gemeinde war allerdings zu arm, um Geld für einen Kirchenneubau aufbringen zu können. Die ersten richtigen Anstrengungen wurden durch Pfarrer Michael Weber (1872 bis 1877 in Oberbessenbach) unternommen. Sein Nachfolger, Pfarrer Kaspar Baus (1877 bis 1880 in Oberbessenbach), versuchte auch Gelder für einen Neubau aufzutreiben; allerdings weigerte sich der Stiftsfonds Aschaffenburg sowie die politische Gemeinde für einen Neubau aufzukommen. Somit gab er seine Pläne auf.

Pfarrer Albert Zahn (1880 bis 1900 in Oberbessenbach) nahm das Vorhaben im Mai 1880 wieder auf und sammelte eifrig Gelder. Er erreichte sogar am 27. Juli 1885 eine landesweite Kirchenbaukollekte, die mit 17.500 Mark den finanziellen Grundstock für den Neubau bildete. Bis 1898 wuchs dieser Betrag auf etwa 30.000 Mark heran. Ein Plan des Aschaffenburger Stiftbautechnikers Henfling wurde beim bayerischen Bauministerium eingereicht. Dieser Plan sah den Abriss der alten Kirche und den Neubau auf gleichem Grund vor. Hierzu entbrannte in Oberbessenbach der Streit, ob die Kirche im Ort oder auf dem Kirchberg erbaut werden sollte. Die politische Gemeinde wollte die Kirche im Ort, gegenüber dem heutigen Kindergarten, der Pfarrer vertrat die Meinung, dass die Kirche zum zwischenzeitlich gebauten Pfarr- und Schulhaus gehöre. Pfarrer Zahn setzte sich durch und die Kirche wurde auf dem Kirchberg gebaut, ohne die Ottilienkirche abzureißen. Aufgrund dieses Streites und anderen Ärgernissen verließ Pfarrer Zahn jedoch im März 1900 die Gemeinde. Sein Nachfolger wurde Pfarrer Jakob Röhm, der bis 1912 in Oberbessenbach blieb.

Pfarrer Röhm ging mit großer Energie an den Neubau. Er war sehr energisch, aber auch diplomatisch zugleich und stellte den ersten Kontakt zum Baugeschäft Wörner aus Aschaffenburg her. Franz und Roman Wörner waren seit dem 18. Jahrhundert verwandtschaftlich mit Oberbessenbach und Hessenthal verbunden. Über Roman Wörner entstand auch der Kontakt zu Professor Theodor Fischer, der im Januar 1902 zwei Planvorschläge für den Kirchenneubau ohne Honorarabrechnung - Oberbessenbach war zu dieser Zeit sehr arm - entwarf. Professor Fischer war einem der berühmtesten Architekten Deutschlands zu Anfang des 20. Jahrhunderts und lehrte unter anderem an der Technischen Universität in München und später auch an der Technischen Universität Stuttgart. Sein Assistent, Paul Bonatz, half bei den Plänen zeichnerisch mit.

Der erste Entwurf war Pfarrer Röhm zu "düster", der zweite Entwurf dagegen fand seine Zustimmung, da er mit großen Fenstern versehen war und einen "hellen barocken Charakter" hatte. Dieser Entwurf wurde also eingereicht, genehmigt und später auch ausgeführt. Pfarrer Röhm sammelte nun weitere Gelder für den Neubau ein. Die Filiale Dörrmorsbach war allerdings so arm, dass der Pfarrfonds des Stiftes Aschaffenburg zahlen musste. Die Filiale Hessenthal weigerte sich, ihren Beitrag zum Neubau zu leisten. Grundsätzlich war die politische Gemeinde verpflichtet, Hand- und Spanndienste zu leisten, konnte sich aber durch eine Geldleistung hiervon befreien lassen. Erst durch gutes Zureden des Kaplans Johannes Recosum nahm die Hilfsbereitschaft zu und Hessenthal leistete eine Summe von 2.000 Mark, die allerdings mit der Bedingung verknüpft war, dass Hessenthal mit dieser Zahlung für alle Zeiten von allen Verpflichtungen gegenüber Oberbessenbach befreit sei. Pfarrer Röhm fragte auch beim Stift Aschaffenburg wegen eines Zuschusses an. Nachdem sein Vorgänger nach langem und heftigem Streit über die Baulast abgewiesen wurde, hatte Röhm nunmehr mehr Erfolg mit seinem Anliegen: Das Stiftungsamt bewilligte einen Zuschuss von 10.500 Mark.

Am 5. Mai 1902 wurde der Bauauftrag an die Firma Wörner vergeben. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 64.500 Mark. Am 14. Juni 1902 war es dann soweit: Der erste Spatenstich wurde gesetzt und das Abstecken des Bauplatzes begann. Am 25. Juni begann man mit dem Ausheben der Fundamente, so dass am 27. Juli 1902 feierlich der Grundstein gelegt wurde. Die Urkunde der Grundsteinlegung beschreibt die damaligen Verhältnisse:
"... die katholische Pfarrei Oberbessenbach umfasst dermalen das Pfarrdorf gleichen Namens mit 130 Familien, 308 männlichen und 327 weiblichen, zusammen 635 Seelen und zwei Schulen, ferner die Ortschaft Hessenthal... mit 67 Familien, 163 Manns- und 159 Frauenpersonen im Ganzen 322 Seelen. 1 Schule, endlich der Weiler Dörrmorsbach mit Filialkapelle, nur 29 Familien 77 männlicher und 77 weiblicher Personen zusammen 154 Seelen und 1 Schule, sodass die ganze Pfarrei nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 1111 Seelen und vier Schulen zählt.

Die Pfarrei gehört derzeit kirchlicherseits zur Kirchenprovinz Bamberg, zum Bistum Würzburg, und Bischöflichen Dekanat Lohr, politisch zum Deutschen Reiche, zum Königreich Bayern, Kreis Unterfranken, kgl. Bezirksamt Aschaffenburg. Die seitherige Pfarrkirche ist sehr alt und viel zu klein, weshalb schon lange da Bedürfnis nach einer neuen und größeren lebhaft empfunden wurde...“

Der rote Sandstein wurde aus dem Steinbruch am Steigknöckel geschlagen und am heutigen Dorfplatz/altes Rathaus gehauen. Der Transport wurde mit Ochsenkarren durchgeführt. Im Oktober 1902 gab es eine erhebliche Bauverzögerung um ein paar Wochen. Die Tagelöhner widmeten sich lieber der Kartoffelernte als dem Kirchenbau, da hier mehr Geld verdient wurde. Pfarrer Röhm verurteilte dieses "rücksichtslose Fernbleiben vom Bau" in einem Brief. Doch auch diese Schwierigkeiten konnten überwunden werden und 1903 konnte dann das Richtfest gefeiert werden. Bis zum endgültigen Abschluss der Innenarbeiten wurde es noch 1905.

Dabei ist das holzgeschnitzte Kirchengestühl von Interesse, das nach den Plänen Fischers von der Schnitzschule des Aschaffenburger Johanniszweigvereins in Neuhammer gefertigt wurde.

1958 sorgte der Zeitgeschmack dafür, dass die gesamte Innenbemalung weiß übertüncht wurde. Zwanzig Jahre später wurde man sich dieses Verlustes bewusst und restaurierte den Innenraum wieder weitgehend in der vorherigen Form. Der letzte große Kirchenmaler aus Aschaffenburg, Ludwig Hepp, malte die Kirche aus. Der Kreuzweg stammt von dem nicht minder berühmten Aschaffenburger Maler Adalbert Hock. Am 11. und 12. Oktober 2003 feierte die Kirchengemeinde Oberbessenbach den 100. Geburtstag der Pfarrkirche.

Kirchberg Oberbessenbach 1
Kirchberg Oberbessenbach 1
Kirchberg Oberbessenbach 2
Kirchberg Oberbessenbach 2
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Donnerstag auch:13:00 Uhr bis 18:00 Uhr
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